9. Podiumsdiskussion am 9.9.2026 in Hamburg im Mövenpick Hotel

Steigende Compliance-Anforderungen in Zeiten von Protektionismus und stagnierendem Wachstum. Geht das für den europäischen Mittelstand gut aus?

In unserer Podiumsveranstaltung bringen wir Themen der erweiterten Hersteller- und Produktverantwortung mit der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage zusammen und betrachten die Herausforderungen für Unternehmen aus verschiedenen Blickwinkeln. Kostenlos für VERE Mitglieder!

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Kommt die EU-Abgabe auf Elektrogeräte für Händler und Hersteller?

Ab 2026 müssen Elektroaltgeräte aktiv zurückgenommen, korrekt gekennzeichnet und sicheren Sammelprozesse zugeführt werden, um EU-Abgaben und Bußgelder zu vermeiden. Das gilt insbesondere für Batterien und Schadstoffe. Gleichzeitig bieten stabile Nachfrage nach Rezyklaten und digitale Produktpässe neue Chancen für Recyclinggeschäfte und ressourceneffiziente Geschäftsmodelle.

Elektro- und Elektronikaltgeräte sind einer der am schnellsten wachsenden Abfallströme in Europa. 2021 fielen 8,4 Mio. Tonnen an, aber nur rund 40 Prozent werden derzeit recycelt; bei Kunststoffen liegt die Quote sogar unter 20 Prozent. Die EU-Sammelquote von 65 Prozent wird also meist nicht erreicht. Schlechte Sammlung führt zu Verlust wertvoller Ressourcen, steigenden illegalen Exporten, mehr Hausmüll und ungenutzten CO₂-Einsparungen. Altgeräte landen oft in nicht überwachten Anlagen. Der Recyclingsektor hat weitere Probleme: wenig Nachfrage nach Rezyklaten, langsame Umsetzung von Ökodesign, erhöhte Brandgefahr durch Batterien und ineffiziente papierbasierte Verfahren im Binnenmarkt. Viele spezialisierte Anlagen sind schlecht ausgelastet.  

Neuerungen: EU-Planungen und WEEE Roadmap  

Die EU-Kommission will eine Abgabe auf nicht gesammelte Altgeräte einführen, um das Recycling voranzubringen. Der Europäische Rechnungshof bemängelt allerdings eine schwache Datenlage. Die WEEE Roadmap von Recycling Europe und dem bvse schlägt Verbesserungen bei Sammlung, Design, Marktbedingungen und Regulierung vor. Konkret geht es um mehr Sammelstellen, bessere Verbraucherinfos, sichere Entsorgung von Batterien und klare Herstellerpflichten. Der Handel mit Altgeräten soll durch digitale Lösungen erleichtert werden. Ökodesign, Reparierbarkeit und ein Digitaler Produktpass stehen ebenfalls im Fokus. Die Roadmap fordert zudem Transparenz, gezielte Quoten, Mindeststandards und risikoorientiertes Chemikalienrecht. Herstellerverantwortung soll nur da greifen, wo der Markt versagt, und Recycler werden stärker eingebunden. Übergreifend sollen Reformen Investitionen fördern, die Rohstoffautonomie stärken und Unsicherheit abbauen.  

Umsetzung in Deutschland  

Ab 1. Januar 2026 gilt in Deutschland die neue EU-WEEE-Richtlinie:  

  • Wertstoffhöfe bleiben Sammelstellen, das Personal sortiert Geräte.  
  • Rücknahmestellen werden einheitlich gekennzeichnet.  
  • E-Zigaretten müssen bis Mitte 2026 im Handel zurückgenommen werden.  
  • Hausmüll und Gelber Sack dürfen nicht für Entsorgung genutzt werden.  

 
Da Elektro-Altgeräte Schadstoffe enthalten und wertvolle Rohstoffe liefern, sollen die Maßnahmen Umwelt und Gesundheit schützen.   

Die zentrale Kritik des Europäischen Rechnungshofs an der geplanten Abgabe betrifft die unzureichend belastbaren Datengrundlagen zur Berechnung. Dies kann zu fehlerhaften Abgaben und zu politisch schwer legitimierbaren Entscheidungen führen. Ohne klare und belastbare Daten besteht das Risiko, dass die Abgabe nicht wirksam zur Erhöhung der Sammelquoten beiträgt und gleichzeitig Unternehmen unnötig belastet.  

Folgen für Händler und Hersteller 

Für Unternehmen ergeben sich gleich mehrere Konsequenzen aus dieser Reform. Zum einen sind Händler künftig stärker in die Pflicht genommen, Elektrogeräte einschließlich E‑Zigaretten aktiv zurückzunehmen und die Rückgabestellen korrekt zu kennzeichnen. Gleichzeitig steigt der Kosten‑ und Compliance‑Aufwand, da geschultes Personal erforderlich ist, sichere Sammelprozesse eingehalten werden müssen und Unternehmen sich auf mögliche EU‑Abgaben vorbereiten sollen. Währenddessen könnten sich jedoch auch neue Marktchancen eröffnen: Eine stabilere Nachfrage nach Rezyklaten kann langfristig neue Geschäftsmodelle ermöglichen, etwa im Handel mit recycelten Materialien. Einheitliche Mindeststandards und digitale Produktpässe tragen zudem zu größerer regulatorischer Klarheit bei, erleichtern die Einhaltung der Vorgaben, reduzieren Rechtsunsicherheit und ermöglichen eine effizientere Planung.  

Insgesamt stellt die Kombination aus EU-Abgabe, Roadmap-Maßnahmen und nationalen Vorgaben für KMU sowohl eine Herausforderung dar: Sie müssen Investitionen in Rücknahmesysteme und Compliance tätigen, profitieren aber langfristig von besser geregelten Märkten, stabileren Rohstoffkreisläufen und verbesserten Umweltstandards.  

Der VERE e.V. ist mit den beteiligten Kreisen in Kontakt und hält seine Mitglieder mit dem „VERE Insider“ über die weitere Entwicklung informiert.  

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