Mit der EU-Zollreform müssen Verbraucher seit dem 1. Juli auch bei Sendungen unter 150 Euro mit zusätzlichen Kosten rechnen. Für Waren aus Nicht-EU-Staaten wird nun grundsätzlich eine pauschale Zollgebühr von mindestens drei Euro pro Warengruppe erhoben. Je nach Art der Ware können die Abgaben auch höher ausfallen. Besonders betroffen sind Plattformen wie Temu, Shein und AliExpress, deren Geschäftsmodell auf günstigen Direktlieferungen aus Asien basiert. In der Vergangenheit wurden größere Bestellungen häufig auf mehrere kleinere Sendungen verteilt, um die frühere Zollfreigrenze auszunutzen.
Neue Zollregeln für Bestellungen aus dem Nicht-EU-Ausland
Die Reform soll hier also gleich mehrere Probleme lösen. Zum einen möchte die EU den enormen Aufwand der Zollbehörden finanzieren. Allein 2025 wurden rund 5,8 Milliarden Kleinsendungen in die Europäische Union eingeführt – durchschnittlich etwa 15,9 Millionen Pakete täglich. Gleichzeitig soll die Maßnahme Wettbewerbsverzerrungen abbauen und europäischen Händlern bessere Chancen gegenüber asiatischen Billigplattformen verschaffen. Ob die neue Gebühr den Erfolg der großen Onlineplattformen tatsächlich bremst, erscheint jedoch noch fraglich. Nach Einschätzung der DHL Group stellen größere Händler ihre Lieferketten bereits um. Statt Millionen einzelner Pakete direkt aus China zu verschicken, werden Waren gebündelt in die EU eingeführt, dort regulär verzollt und anschließend über europäische Lager an die Kundschaft verteilt. Dadurch könnte die neue Zollregel einen Großteil ihrer Wirkung verlieren. Kurz nach Inkrafttreten der Reform lasse sich noch nicht belastbar beurteilen, ob die Zahl der Sendungen tatsächlich zurückgeht. Für den Luftfrachtstandort Leipzig/Halle erwartet DHL allenfalls kurzfristige Auswirkungen.
Warum Temu und Shein trotzdem im Vorteil bleiben könnten
Dass der Wettbewerbsdruck weiter hoch bleibt, zeigen aktuelle Marktdaten. Im zweiten Quartal erreichten Temu, Shein und AliExpress zusammen einen Rekordanteil von 5,3 Prozent am deutschen Onlinehandelsumsatz. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum legten ihre Umsätze um mehr als 20 Prozent zu. Viele Waren gelangen zudem nicht über Express-Drehkreuze nach Europa, sondern per Schiff oder über Lager in Ländern wie Polen und Tschechien. Dadurch können internationale Händler ihre Logistik flexibel an die neuen Vorgaben anpassen.
Der Handelsverband Deutschland sieht die neue Abgabe zwar als wichtigen Schritt für mehr Chancengleichheit, weist aber auch darauf hin, dass eine pauschale Zollgebühr weder falsch deklarierte Waren noch Verstöße gegen Verbraucher-, Umwelt- oder Produktsicherheitsstandards verhindert. Dafür seien weiterhin konsequente Kontrollen und eine wirksame Marktüberwachung erforderlich. Die Abschaffung der Zollfreigrenze verändert die Spielregeln für Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern und verteuert viele Kleinsendungen. Ob die Reform den Boom von Temu, Shein und AliExpress nachhaltig bremst, ist jedoch zweifelhaft. Vieles spricht dafür, dass große Plattformen ihre Logistik anpassen und die Auswirkungen der neuen Zollgebühr dadurch begrenzen können.
Der VERE e.V. ist mit den beteiligten Kreisen in Kontakt und hält seine Mitglieder mit dem „VERE Insider“ über die weitere Entwicklung informiert.
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