9. Podiumsdiskussion am 9.9.2026 in Hamburg im Mövenpick Hotel

Steigende Compliance-Anforderungen in Zeiten von Protektionismus und stagnierendem Wachstum. Geht das für den europäischen Mittelstand gut aus?

In unserer Podiumsveranstaltung bringen wir Themen der erweiterten Hersteller- und Produktverantwortung mit der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage zusammen und betrachten die Herausforderungen für Unternehmen aus verschiedenen Blickwinkeln. Kostenlos für VERE Mitglieder!

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Braucht Europas Stromzukunft Batteriespeicher?

Europa produziert immer mehr Strom aus Wind und Sonne doch ein wachsender Teil dieser sauberen Energie geht verloren. Überlastete Netze, negative Strompreise und fehlende Speicherkapazitäten bremsen die Energiewende. Ein neues EU-Abkommen soll das ändern und macht Batteriespeicher erstmals zu einem zentralen Baustein der europäischen Energiepolitik. Gleichzeitig bleiben Regulierung, Rohstoffversorgung und der Aufbau einer eigenen Batterieindustrie große Herausforderungen.

Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wächst auch das Problem überschüssigen Stroms. Immer häufiger fallen die Strompreise auf null oder sogar ins Negative, weil die Netze die erzeugten Mengen nicht aufnehmen können. Wind- und Solaranlagen müssen deshalb regelmäßig ihre Leistung reduzieren. Darauf reagiert die EU mit einer Vereinbarung zwischen der Europäischen Kommission, 22 Mitgliedstaaten sowie Vertretern aus Wirtschaft und Finanzwesen. Bis 2028 sollen zusätzlich 30 bis 35 Gigawatt Speicherkapazität entstehen, im Grundsatzpapier werden sogar 45 Gigawatt genannt. Der Anteil von Speichern an der Spitzenstromnachfrage soll dadurch von rund fünf auf zehn Prozent steigen. Aktuell verfügt die EU über etwa 55 Gigawatt Speicherkapazität, bis 2030 werden jedoch rund 200 Gigawatt benötigt.

Batterien werden zur kritischen Infrastruktur

Batteriespeicher entwickeln sich von einer reinen Reserve zu einem festen Bestandteil der Stromversorgung. Die Kapazität kommerzieller und industrieller Speicher soll von neun Gigawattstunden im Jahr 2026 auf 24 Gigawattstunden bis 2028 wachsen. Gleichzeitig sollen durch Speicher abgesicherte Stromabnahmeverträge von 1,5 auf 4,5 Gigawatt steigen. Möglich wird dieser Ausbau auch durch sinkende Kosten: Zwischen 2010 und 2024 fielen die Batteriepreise laut IRENA um rund 93 Prozent. Allein 2024 installierte Europa neue Batteriesysteme mit 21,9 Gigawattstunden Kapazität – das elfte Rekordjahr in Folge. Deutschland stuft sogenannte Netzbooster bereits als Infrastruktur ein, weil sie Stromnetze entlasten. Auch die baltischen Staaten nutzten Batteriespeicher erfolgreich als Sicherheitsnetz bei der Anbindung an das kontinentaleuropäische Stromnetz.

Ein stärkerer Speicherausbau könnte laut Prognosen bis 2030 bis zu 60 Prozent der Gasimporte ersetzen und Gaseinkäufe von rund neun Milliarden Euro einsparen. Zudem könnten Netzengpasskosten um mehr als 60 Prozent sinken, was Einsparungen von etwa 100 Milliarden Euro ermöglichen würde. Dennoch bremsen doppelte Netzentgelte, unzureichende Marktvergütungen sowie langwierige Genehmigungs- und Netzanschlussverfahren viele Projekte aus. Batteriespeicher werden häufig noch wie klassische Kraftwerke behandelt, obwohl sie eine eigene Rolle im Energiesystem übernehmen. Obwohl die EU verschiedene Förderprogramme aufgelegt hat, sieht der Europäische Rechnungshof Europa weiterhin nicht auf dem Weg zu einer eigenständigen Batterieindustrie. Die Abhängigkeit von Batteriezellen aus Asien bleibt hoch. Gleichzeitig fehlt es bei wichtigen Rohstoffen wie Graphit, Lithium, Kobalt und Nickel an ausreichender Eigenversorgung. Auch das Recycling steckt noch in den Anfängen: Bei Kobalt liegt die Rückgewinnung bei rund 22 Prozent, bei Lithium nahezu bei null.

Recycling wird immer wichtiger

Mit der steigenden Zahl von Batterien wächst auch die Bedeutung ihrer Rückgabe. Nach dem seit Oktober 2025 geltenden Batterierecht-Durchführungsgesetz gelten neue Regeln für die Kategorisierung, Rücknahme und Verwertung von Altbatterien. Händler und – neu - kommunale Sammelstellen sind verpflichtet, bestimmte Altbatterien kostenlos zurückzunehmen. Besonders Lithium-Ionen-Batterien enthalten wertvolle Rohstoffe und können bei falscher Entsorgung Brände verursachen.

Das neue EU-Abkommen ist ausdrücklich nur ein erster Schritt. Die Branche fordert bereits einen eigenen Aktionsplan für Batteriespeicher, um die bis 2030 benötigten rund 200 Gigawatt Speicherkapazität zu erreichen. Klar ist: Ohne leistungsfähige Speicher lassen sich die europäischen Ausbauziele für Wind- und Solarenergie kaum verwirklichen – gleichzeitig entscheidet sich daran, wie unabhängig Europa künftig bei einer Schlüsseltechnologie der Energiewende wird.

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