Die geplante Übernahme eines großen europäischen Elektronikfachhändlers durch JD.com zählt zu den bedeutendsten Transaktionen im europäischen Einzelhandel. Deutschland hat den Einstieg des chinesischen Konzerns zwar unter strengen Auflagen zum Datenschutz und mit weitreichenden Kontrollrechten genehmigt, doch die EU-Kommission prüft fortlaufend, ob staatliche Subventionen JD.com einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und welche Auswirkungen die Transaktion auf den europäischen Binnenmarkt haben könnte. Eine endgültige Entscheidung steht noch aus.
Übernahme als Bestandteil der Unternehmensstrategie
Ungeachtet der laufenden Prüfungen stellt CECONOMY, der betreibende Handelskonzern des fraglichen Elektrofachgeschäfts, den geplanten Zusammenschluss bereits als zentralen Wachstumstreiber dar. Nach eigenen Angaben soll JD.com modernste Handels-, Logistik- und Technologielösungen einbringen, ohne die Kontrolle über IT-Systeme, Kundendaten oder technologische Architektur zu übernehmen. Dafür soll JD.com einen eigenständigen europäischen Technologie-Stack aufbauen. Gleichzeitig rechnet der Konzern mit Synergien, die wesentlich zum geplanten Gewinnanstieg beitragen sollen.
Parallel dazu rückt für den Elektronikkonzern das Thema „Vertrauen“ in den Mittelpunkt seiner Unternehmensstrategie. Unter dem Leitbild „Moments of Trust“ sollen persönliche Beratung, Serviceleistungen, Reparaturen, Trade-in-Angebote und digitale Dienstleistungen Kunden langfristig binden. Das Unternehmen verbindet diese Strategie unmittelbar mit seinen finanziellen Zielen: Bis 2028/29 sollen das bereinigte EBIT auf 800 Millionen Euro, der Umsatz auf rund 24 Milliarden Euro und der Free Cashflow auf etwa 300 Millionen Euro steigen. Wachsende Bedeutung sollen dabei margenstarke Geschäftsfelder wie Services, Marketplace, Retail Media und Eigenmarken erhalten.
Europäische Wettbewerbsprüfung und Marktauswirkungen
Auffällig ist der Zeitpunkt dieser Kommunikation. Während Behörden die Übernahme aus wettbewerbs-, sicherheits- und datenschutzpolitischer Sicht noch bewerten, wird die Partnerschaft bereits als logischer nächster Schritt in seiner Unternehmensentwicklung präsentiert. Die wirtschaftlichen Erwartungen und die angekündigten Synergien beruhen jedoch auf Prognosen und setzen somit voraus, dass die Transaktion wie geplant abgeschlossen werden kann, wenngleich die europaweiten Implikationen dieser Übernahme weitreichend sind. Mit mehr als 1.000 Märkten in elf Ländern könnte die Verbindung mit JD.com Lieferketten, Logistik, digitale Vertriebsmodelle und Wettbewerbsstrukturen im europäischen Elektronikhandel nachhaltig verändern. Ob daraus mehr Innovation und Wettbewerb entstehen oder die Marktstellung eines ohnehin global starken Konzerns weiter wächst, ist eine der zentralen Fragen, die die laufenden europäischen Prüfverfahren beantworten sollen.
Der VERE e.V. ist mit den beteiligten Kreisen in Kontakt und hält seine Mitglieder mit dem „VERE Insider“ über die weitere Entwicklung informiert.
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