Die Ausgestaltung der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) hat entscheidenden Einfluss darauf, ob die Mitgliedstaaten der Europäischen Union die Anforderungen der neuen EU-Verpackungsverordnung (PPWR) erfüllen können. Zu diesem Ergebnis kommt auch eine im Auftrag von Europen erstellte Studie von Circpack, ein Beratungs- und Zertifizierungsunternehmen, das zum Veolia-Konzern gehört. Grundsätzlich zeigt die Analyse, wie konkrete Ausgestaltungsmerkmale, beispielsweise differenzierte Gebührenmodelle, eine effiziente Organisation, hochwertige Datengrundlagen und transparente Finanzströme, über den Erfolg beim Verpackungsrecycling bestimmen.
Europaweit Unterschiede bei Verpackungsrecycling und EPR-Systemen
Für die Studie analysierte Circpack die EPR-Systeme aller 27 EU-Mitgliedstaaten auf Basis von Eurostat-Daten für 2023, nationalen Registern, Finanz- und Betriebsberichten der Producer Responsibility Organisationen (PROs) sowie eines eigenen Datensatzes zu 13 Verpackungsunterkategorien. Vertieft untersucht wurden Belgien, Italien, Spanien, Deutschland und Ungarn. An dieser Stelle weist Circpack darauf hin, dass Veolia in mehreren Ländern selbst Sammel-, Sortier- und Recyclinganlagen betreibt und einzelne Datensätze auf unternehmenseigenen Betriebsdaten beruhen. Die Untersuchung zeigt deutliche Unterschiede beim Verpackungsrecycling in Europa. 2023 fielen in den 27 EU-Staaten knapp 80 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle an. Die durchschnittliche Recyclingquote lag bei 64,1 Prozent, reichte jedoch von 79,7 Prozent in Belgien bis 37,3 Prozent in Rumänien. Bei Kunststoffverpackungen wurden lediglich 42,1 Prozent recycelt.
Als entscheidenden Erfolgsfaktor nennt die Studie differenzierte EPR-Gebühren, die Materialart, Verpackungsformat und Recyclingfähigkeit berücksichtigen. Ebenso wichtig sei der gezielte Einsatz der Einnahmen für Sammel-, Sortier- und Recyclinginfrastruktur. Länder mit solchen Gebührenmodellen erzielen im Durchschnitt 16,5 Prozentpunkte höhere Recyclingquoten; bei starren Kunststoffverpackungen (also besonders robusten, formstabilen Verpackungen für Transport, Lagerung oder auch Produktpräsentation) liegen sie mit 52 statt 31 Prozent deutlich vorn. Höhere Gebühren allein führten also nicht zwingend zu besseren Ergebnissen, vielmehr bestimmt die Verteilungsstruktur der Gebühren über den letztlichen Erfolg eines Systems.
Governance und Datenqualität entscheiden über den Recyclingerfolg
Die größten Defizite sieht Circpack bei der Infrastruktur und der Nachfrage nach Rezyklaten. Besonders flexible Kunststoffverpackungen gelten als Problem, da Sortier- und Aufbereitungskapazitäten fehlen. Auch Governance und Datenqualität seien entscheidend: Staaten mit einer einzigen PRO erreichen zwar im Schnitt höhere Recyclingquoten, ausschlaggebend seien laut Studie jedoch klare Vorgaben, transparente Finanzflüsse und eine belastbare Datengrundlage. Länder mit hoher Datenqualität erzielen durchschnittlich 69,6 Prozent Recycling, Staaten mit geringerer Transparenz nur 56,2 Prozent. Belgien gilt hier als Vorbild für die Verknüpfung von Finanzierung, Leistungsstandards und Verpackungsdaten.
Im Ländervergleich führt Belgien mit einer Verpackungsrecyclingquote von 79,7 Prozent vor Italien (75,6 Prozent), Spanien (70,5 Prozent) und Deutschland (69,4 Prozent). Deutschland profitiert zwar vom Verpackungsregister LUCID, wird jedoch durch konkurrierende Systeme und fehlende einheitliche EPR-Gebühren gebremst. Ungarn bildet mit 42,8 Prozent das Schlusslicht. Circpack sieht in der PPWR wichtige Fortschritte, fordert jedoch zusätzlich stärker differenzierte Gebühren, effizientere Steuerung, bessere Daten und transparentere Finanzflüsse. Auch der geplante Circular Economy Act könnte die EPR-Systeme europaweit weiter harmonisieren, was VERE ausdrücklich begrüßt.
Generell begrüßt VERE den Ansatz der Studie, dass Gebühren transparent und sachorientiert gestaltet sind und damit ein effizientes Management der Recyclingverpflichtung im Sinne der erweiterten Herstellerverantwortung gewährleisten bzw. abbilden, statt hoher intransparenter und pauschaler Gebühren, die verpflichtete Händler und Hersteller womöglich grundlos belasten und ihnen ungerechtfertigte Kosten verursachen.
Der VERE e.V. ist mit den beteiligten Kreisen in Kontakt und hält seine Mitglieder mit dem „VERE Insider“ über die weitere Entwicklung informiert.
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