Die geplante Einführung einer erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) für Textilien markiert einen tiefgreifenden Eingriff in die Geschäftsmodelle von Herstellern und Händlern. Entscheidend wird sein, ob das System praxistauglich ausgestaltet wird oder ob es zu steigenden Kosten, wachsender Bürokratie und Wettbewerbsverzerrungen führt. Der VERE-Verband bringt hierzu konkrete Vorschläge ein, die insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen entlasten sollen.
Kosten im Griff behalten: Planbarkeit statt Risiko
Ein Hauptproblem ist die finanzielle Unsicherheit: Müssen Unternehmen alle gesammelten Textilmengen annehmen und Sammelquoten erfüllen, entstehen schnell Mehrkosten und das insbesondere dann, wenn einige Marktteilnehmer ihrer Pflicht nicht nachkommen. VERE fordert daher eine klare Systematik: Nur Mengen im festgelegten Rahmen sollen vollständig angerechnet und vergütet werden. Überschüssige Mengen sollten über einen Ausgleich verteilt werden, damit einzelne Betriebe nicht zu stark belastet sind. Ein Sicherheitsnetz sollte außergewöhnliche Mengen abfedern. Auch bei der Vergütung braucht es feste Regeln, sonst könnten Preise durch Konkurrenz steigen und Hersteller müssten zahlen. Einheitliche, datenbasierte Sätze könnten hier Stabilität schaffen und hochwertige Sammlung fördern.
VERE plädiert für schlanke Prozesse statt Doppelstrukturen
Neben den Kosten ist die administrative Belastung ein entscheidender Faktor. VERE empfiehlt, die Registrierungspflichten möglichst unkompliziert zu gestalten und ausschließlich auf Unternehmensebene vorzunehmen; zusätzliche Anforderungen für einzelne Marken verursachen überflüssigen Verwaltungsaufwand. Digitale Lösungen wie standardisierte Datenstrukturen, automatisierte Prüfmechanismen und eindeutig definierte Zuständigkeiten können dazu beitragen, Prozesse effizienter zu gestalten. Darüber hinaus ist es ratsam, bestehende Strukturen einzubeziehen, um Doppelarbeit sowie die Schaffung neuer Behörden zu vermeiden. Für eine transparente Nachverfolgung der Mengenströme empfiehlt sich eine präzise Kategorisierung von Textilien im Register, da Lebensdauer und Recyclingfähigkeit je nach Produkt erheblich variieren und so fundierte Kostenschätzungen ermöglicht werden.
Fairer Wettbewerb heißt auch Schutz vor Trittbrettfahrern
Ein System funktioniert nur mit konsequenter Regelumsetzung; Anbieter ohne Registrierung, etwa aus Nicht-EU-Ländern oder auch über Online-Plattformen, verursachen seit Längerem bereits Wettbewerbsnachteile für rechtskonforme Unternehmen. Ein effektiver Vollzug und das klare Prinzip „keine Registrierung = kein Verkauf“ sollten hier also unabdinglich sein und Verstöße müssen schnell aufgedeckt und auch sanktioniert werden. Vergangene Marktaktivitäten sollten berücksichtigt werden, um Schlupflöcher zu schließen. Unternehmen müssen auch für bereits verkaufte Mengen Verantwortung übernehmen, sonst leiden gesetzeskonforme Anbieter weiter.
Verwaltungslasten reduzieren – ohne Kontrollverlust
Effizienz schließt Kontrolle nicht aus, sondern verlangt schlicht nach klaren Regeln. Für verunreinigte Textilien sollen Kosten nur dann Hersteller belasten, wenn die Ware noch verwertbar ist. Hierfür sind transparente Standards und genaue Dokumentation nötig, sodass Fehlanreize vermieden und Investitionen in bessere Sammel- und Sortierprozesse attraktiv gemacht werden können. Die Einführung der Textil-EPR ist grundsätzlich sinnvoll, um Kreislaufwirtschaft zu stärken und Entsorgungsstrukturen zu sichern. Damit das System jedoch nicht zur Kostenfalle wird, müssen zentrale Weichen richtig gestellt werden:
- Kosten müssen planbar und begrenzt bleiben
- Bürokratie darf nicht ausufern
- Wettbewerbsverzerrungen müssen verhindert werden
Die Vorschläge von VERE zeigen, wie sich diese Ziele miteinander verbinden lassen. Für Hersteller und Händler geht es jetzt darum, dass diese Punkte im weiteren Gesetzgebungsprozess berücksichtigt werden – damit ökologische Verantwortung nicht zur wirtschaftlichen Überlastung wird.
Der VERE e.V. ist mit den beteiligten Kreisen in Kontakt und hält seine Mitglieder mit dem „VERE Insider“ über die weitere Entwicklung informiert.
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