Eine im September 2025 veröffentlichte Studie zur Weiterentwicklung der Produktverantwortung im ElektroG analysiert, wie sich Sammlung, Wiederverwendung und Recycling von Elektroaltgeräten in Deutschland nachhaltig verbessern lassen. Hintergrund ist die wachsende Zahl neu in Verkehr gebrachter Elektro- und Elektronikgeräte, während die getrennte Erfassung von Altgeräten seit Jahren stagniert. Das EU-Sammelziel von 65 Prozent wird deutlich verfehlt: 2022 lag die Sammelquote bei lediglich 31,7 Prozent und 2023 sogar unter 30 Prozent.
Als Hauptursache identifiziert die Studie das historisch gewachsene System der geteilten Produktverantwortung. Zuständigkeiten für Sammlung, Rücknahme und Verwertung sind auf Kommunen, Hersteller, Handel und weitere Akteure verteilt, ohne dass eine Partei unmittelbar für die Erreichung der Sammelziele verantwortlich ist. Gleichzeitig führen komplexe Melde- und Dokumentationspflichten sowie fehlende Anreize dazu, dass wertvolle Rohstoffe verloren gehen und hochwertige Recyclingprozesse erschwert werden. Die Autoren empfehlen daher eine grundlegende Reform des ElektroG hin zur erweiterten Herstellerverantwortung (EPR). Hersteller beziehungsweise Inverkehrbringer sollen künftig die Verantwortung für die Erreichung der Sammel-, Wiederverwendungs- und Recyclingziele übernehmen. Klare Zielvorgaben, ein transparentes Monitoring sowie Sanktionen bei Zielverfehlungen könnten die Effizienz des Systems deutlich erhöhen. Bewährte Strukturen wie die kommunalen Wertstoffhöfe und die Rücknahme durch den Handel sollen dabei erhalten bleiben.
Die Studie verweist zudem auf das bereits im Juli 2024 eingeleitete EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland und macht deutlich, dass eine Reform nicht nur regulatorisch notwendig ist. Nach den Modellrechnungen könnten durch eine vollständige Systemumstellung bis 2031 jährlich zusätzlich bis zu 1,26 Millionen Tonnen Elektroaltgeräte ordnungsgemäß gesammelt werden. Dadurch ließen sich Rohstoffe im Wert von bis zu 2,08 Milliarden Euro im Wirtschaftskreislauf halten, jährlich bis zu 1,92 Millionen Tonnen CO₂ einsparen und bis zu 39.000 zusätzliche Arbeitsplätze schaffen.
Die Ergebnisse unterstreichen, dass eine Modernisierung der Produktverantwortung im ElektroG entscheidend sein kann, um die Kreislaufwirtschaft zu stärken, wertvolle Ressourcen zu sichern und die europäischen Sammel- und Recyclingziele künftig zuverlässig zu erreichen.
Auftraggeber bzw. Unterstützer dieser Studie ist eine prominente, teilweise nicht unumstrittene deutsche Umwelt-Hilfeorganisation, deren Handschrift die Studie deutlich trägt. Aus Sicht von VERE sollten Rechtskonstrukte, wie gerade das Elektrogesetz, regelmäßig auf Verbesserungsmöglichkeiten untersucht werden. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, eröffnet die Studie eine sicher notwendige Debatte. Dennoch sieht VERE den Ansatz kritisch, die betroffenen Händler und Hersteller in die direkte Verantwortung für Sammelquoten zu nehmen. Die geteilte Produktverantwortung verteilt die Verantwortung auf die Schultern, die für die jeweiligen Aufgaben die notwendige Kompetenz besitzen. Hier sind die Unternehmen bereits maximal mit der Finanzierung und Verwaltung ihrer erweiterten Herstellerverantwortung beaufschlagt. Zudem weist VERE seit Jahren darauf hin, dass Sammelquoten, wie derzeit ausgestaltet, nicht das geeignete Mittel der Erfolgsermittlung darstellen, und damit die Sicht auf die Dinge verfälschen. Bevor also die Rufe nach noch mehr Belastung der Händler, Hersteller und Importeure durch weitere für sie völlig branchenfremde Aufgaben lauter werden, sollte bei den Sammelquoten selbst angesetzt werden, bei der Unterstützung der deutschen Recycling-Infrastruktur, sowie bei den grauen und schwarzen Exportkanälen, die eine dokumentierte Erfassung von Altgeräten unmöglich machen.
Der VERE e.V. ist mit den beteiligten Kreisen in Kontakt und hält seine Mitglieder mit dem „VERE Insider“ über die weitere Entwicklung informiert.
Noch nicht VERE-Mitglied? Jetzt schnell hier VERE-Mitglied werden!
