Die Textilwirtschaft steht vor einem Wendepunkt: Der Textildialog „Dialogue for Impact and Sustainable Textiles“ (DST) und die geplante erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) sollen nachhaltige Strukturen schaffen. Für Hersteller, Händler und Marken sollen dabei klare Regeln, finanzielle Verantwortung und wirtschaftlich tragfähige Kreislaufmodelle im Mittelpunkt stehen. Offen ist unter anderem noch, welche Ziele verbindlich werden und welche Auswirkungen neue Vorgaben auf Lieferketten, Produktentwicklung und Kosten haben.
Textilrecycling zwischen Herstellerverantwortung und Kreislaufwirtschaft
Beim 13. Internationalen Alttextiltag des bvse-Fachverbands Textilrecycling wurde deutlich: Die Branche unterstützt die erweiterte Herstellerverantwortung grundsätzlich, lehnt jedoch eine übermäßige Zentralisierung ab. Hersteller sollen künftig stärker für Finanzierung und Nachhaltigkeitsziele ihrer Produkte einstehen. Aus Sicht des bvse muss das EPR-System Wettbewerb sichern und spezialisierte Unternehmen für Sammlung, Sortierung und Recycling einbinden. So bleibt bestehendes Know-how erhalten und Materialströme werden nicht ausschließlich zentral gesteuert. Darüber hinaus bleibt die Qualität zurückgewonnener Textilien eine zentrale Herausforderung, denn Ultra Fast Fashion, steigende Importe und stark verunreinigte Sammelware erschweren das Recycling und erhöhen die Kosten. Ohne langlebige, reparierbare und recyclingfähige Produkte droht die Kreislaufwirtschaft an der Materialqualität zu scheitern. Nachhaltigkeit beginnt deshalb bereits bei Materialauswahl und Produktdesign.
Aufsicht statt Marktsteuerung: Stiftung EAR als Vorbild?
Als mögliches Modell für die Organisation der Textil-EPR gilt die Stiftung EAR, die bereits Registrierungssysteme für Elektrogeräte betreibt. Nach Auffassung des bvse sollte eine zentrale Stelle registrieren und überwachen, jedoch nicht selbst in Marktprozesse eingreifen. Private Sammler, Sortierer und Recyclingunternehmen sollen eigenständige Partner des Systems bleiben. Die Ausgestaltung der Herstellerverantwortung wird die Textilbranche langfristig prägen. Für Unternehmen wird Nachhaltigkeit zunehmend zum wirtschaftlichen Faktor: Wer zeitnah transparente Lieferketten, recyclingfähige Produkte und Rücknahmestrategien entwickelt, kann regulatorische Anforderungen besser erfüllen. Ob die EPR tatsächlich mehr Kreislaufwirtschaft ermöglicht oder vor allem zusätzliche Kosten verursacht, wird sich letztlich an ihrer praktischen Wirksamkeit messen lassen. Derzeit wird bereits an einem Referentenentwurf für das neue Textilgesetz gearbeitet, der noch im Sommer vorgelegt werden soll.
Der VERE e.V. ist mit den beteiligten Kreisen in Kontakt und hält seine Mitglieder mit dem „VERE Insider“ über die weitere Entwicklung informiert.
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